Bonjour unter den Baumraritäten

Harbke, den 07.06.2018

Länderübergreifend hat eine deutsch-französische Kooperation in Sachen Gartenkultur begonnnen. Auch Harbke beteiligt sich daran.

 

Anlässlich des Europäischen Kulturerbejahres 2018 haben das Deutsche Nationalkomitee für Denkmalschutz (DNK), die Kulturabteilung der französischen Botschaft und das die Deutsche Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur (DGGL) gemeinsam die Idee entwickelt, den deutschen „Tag der Parks und Gärten“ mit dem französischen Pendant „Rendez-vous aux jardins“ zu verknüpfen.

Literarisch-musikalische Parkführung

Ursula Schmiedchen vom Harbker Denkmalpflegeverein hatte die Idee, im Rahmen dieses Projekts eine literarisch-musikalische Parkführung zu veranstalten. Der Gedanke wurde also zu einem „Rendezvous im Park“ verfestigt. Vereinsvorsitzender und Bürgermeister Werner Müller: „Zur Vorbereitung wurden viele Gespräche geführt. Die beteiligten Vereine, die Musikschule und die zum Motto passende Ausstattung, alles musste organisiert werden. Ein paar Tage vor dem Rendezvous wurde sogar eine Probe absolviert.“ Zu einem guten Gelingen fehlten also nur noch gutes Wetter und zahlreiche Besucher. Beide Wünsche gingen am Sonntag in Erfüllung.

Der musikalischen Eröffnung zu Füßen des Turms der Schlosskirche St. Levin durch zwei Schülerinnen der Kreismusikschule „Kurt Masur“ Oschersleben und ihre Lehrerin Katrin Lehmann – freilich mit französischen Stücken – folgte ein Kurzvortrag von Gemeindemitarbeiterin Ursula Kohl.

Start an der Schlosskirche

„Unser heutiger Spaziergang durch den Schlosspark beginnt unter einer Linde – und deshalb soll sie für den Anfang auch im Mittelpunkt stehen, ganz so, wie es zu früheren Zeiten unter der so genannten Dorflinde war“, leitete Kohl auf den dendrologisch-kulturhistorischen Part der Führung über. Neben den botanischen Besonderheiten wurden auch die Unterschiede zwischen einer Sommer- und einer Winterlinde erläutert.

Die nächste Station befand sich nur wenige Schritte weiter am „wahrscheinlich ältesten Ginkgobaum Deutschlands.“ Unter dem markanten Blätterdach des vermutlich um 1760 hier gepflanzten Exoten verblüfften Mitglieder des „Harbker Singkreises“ mit dem Vortrag eines dreistrophigen Gedichts, dem der Ginkgo als Leitmotiv zugrunde lag. „‚Eine tolle Einlage“, befand Werner Müller begeistert.

Ältester Gingko Deutschlands

Über die Türkische Baumhasel, den Götterbaum und den Spitzahorn ging es weiter bis zur Zirbelkiefer. Von dieser konnten die Rendezvous-Gäste direkt eine Geruchsprobe nehmen, welche Ursula Schmiedchen in Form von Holzspänen dabei hatte. Ein Rezept für einen Zirbengeist gab es gratis dazu: „Ein paar Zirbelzapfen und einen Liter klaren Schnaps, ein paar Wochen stehen lassen – fertig ist der Zirbellikör!“

Schmiedchen erklärte außerdem: „Übrigens wurde die Zierbelkiefer im Harbker Schlosspark nach dem Besuch der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft vor zwei Jahren mit ihren 3,15 Metern Umfang zu einem Rekordbaum in Sachsen-Anhalt gekürt.“

Klappernde Mühle am Bach

Die alte Wassermühle am Mühlengraben wurde ebenfalls in die Führung eingebunden – und prompt erklang dort die alte Volksweise „Es klappert die Mühle am rauschenden Bach“, vorgetragen wiederum von den Mitgliedern des Singkreises der Harbker Volkssolidarität.

An der Goethebuche wurde der geschichtliche Hintergrund während Goethes Aufenthalt in Harke (1805) beleuchtet. Die geschlitztblättrige Zwitterbuche ist seinerzeit vom naturwissenschaftlich sehr interessierten und versierten Dichterfürsten höchstselbst gestiftet worden.

Viele Arten im Schlosspark

Spätestens angesichts von Schwarzpappel, Trompetenbaum, Esskastanie und klein-geschlitztblättriger Hainbuche erschloss sich den Teilnehmern die ungewöhnlich üppige Artenvielfalt im Schlosspark, die er historisch gesehen der exotischen Baumzucht des Adelsgeschlechts derer von Veltheim und gegenwärtig dem Bemühen um Erhalt und Fortentwicklung durch die Gemeinde, den Denkmalpflegeverein sowie durch kompetente Helfer wie Parkgärtner Rudi Michalke zu verdanken hat.

Zu guter Letzt wurde, untermalt von einem treffend von Christine Kraus präsentierten Gedicht, der Tulpenbaum angesteuert. „Der ist ein echtes Highlight“, wie Werner Müller meint, „zumal er gerade in voller Blüte steht, was das i-Tüpfelchen auf diesem sehr interessanten und informativen Rundgang war.“

Abschluss an Orangerie

Vor der Orangerie setzte der Singkreis unter Leitung von Karla Eckhardt den Schlusspunkt hinter die Führung – mit dem Lied „Bruder Jakob“ in der französischen Version („Frère Jacques“). Die Teilnehmer quittierten das gelungene Gesamtprogramm mit lautstarkem Applaus. „Für uns bedeutet das, dass es alle Mühen wert war“, freute sich der Bürgermeister im Namen der Akteure und Helfer. Zu ihnen zählten nicht zuletzt die vier „Madames“ des Harbker Carneval Vereins (HCV), die während der Führung in barocker Staffage durch den Park flanierten.

Damit aber noch nicht genug der gallischen Querverweise, denn es galt auch noch, den neuen Parkbewohner der Gattung Acer monspessulanum zu begrüßen. „Es handelt sich hierbei um einen frisch gepflanzten Französischen Ahorn“, ließ Rudi Michalke die Gäste wissen. Dem HCV als Spender des Baums wurde feierlich die obligatorische Patenurkunde übergeben.

Anschließend bot das Orangerie-Idyll Raum und Muße für den gemütlichen Ausklang eines gelungenen Tages bei Konversation, Chardonnay und Horsd’œuvre.

 

Foto: Begrüßungsprogramm unter der Linde an der Levinskirche, dem eine literarisch-musikalische Führung durch den Schlosspark folgte. Foto: Gemeinde

 

Text: Ronny Schoof - Volksstimme

 

 

Foto: Vorschaubild zur Meldung: Bonjour unter den Baumraritäten